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News1. Teil: Hintergründe zu den Verhandlungen zum UN-KlonverbotLetzte Änderung: 20.11.04 Anfang November 2002 starteten wir einen Aktionsaufruf zu den Verhandlungen bei den Vereinten Nationen für ein umfassendes weltweites Klonverbot. Mittlerweile ist diese Aktion abgeschlossen, da die Verhandlungen in New York gescheitert sind und auf September 2003 vertagt wurden. Nachdem in den Medien bis zur Bekanntgabe der Verhandlungsverschiebungen kaum über die detailierten Hintergründe und Streitgkeiten berichtet wurde, gibt es hier einen Überblick über die Ereignisse. Ein Urteil zum Geschehen können Sie sich danach selber bilden. Material steht genug bereit. Für ausführlichere Informationen empfehlen wir Ihnen auch unseren Pressespiegel im Anhang weiter unten. Beachten Sie dazu bitte auch den 2.Teil des Specials über kommenden neuen Verhandlungen im September 2003. RückblickSeit Ende 2001 befasste sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit einer weltweiten Konvention, die das Klonen von Menschen verbieten oder in kontrollierte Grenzen verweisen soll. Sie ist das Ergebnis einer deutsch-französischen Initiative für eine internationale Ächtung des reproduktiven Klonens. Zur Diskussion standen zwei Entwürfe: 1. Deutschland und Frankreich warben nach Meinung von Kritikern dabei für ein Vorgehen in zwei Etappen. Diese Taktik sah vor, die Aufrechterhaltung des Klonens für "therapeutische" Zwecke weiterhin zu erlauben. Hierin besteht ein deutlicher Widerspruch zur offiziellen Haltung der Bundesregierung gegenüber dem Bundestag. Während die Bundesregierung gegenüber dem Bundestag aussagt, das deutsche Recht kenne keinen Unterschied von Klonierungsformen und jede Form des menschlichen Klonens sei verboten (Bundestags-Drucksache 14/8841, 22.04.2002 im PDF-Format), vertritt der deutsche Vertreter bei den Vereinten Nationen, Herr Christian Much, einen entgegengesetzten Standpunkt: Bei einem Arbeitstreffen sagte er laut CFAM, "Friday-Fax", New York, 27. September 2002, vol. 5, nr. 40, ein umfassendes Klonierungsverbot durch eine UN-Resolution verstösse gegen bundesdeutsches Recht, da das Verbot von therapeutischem Klonen zu medizinischen und Forschungszwecken einer unterlassenen Hilfeleistung gleichkomme, und demzufolge eine kriminelle Handlung darstelle. Diplomatische Verwirrspiele Diese Aussagen des deutschen Vertreters sorgten nicht nur hierzulande für heftigen Wirbel. Aus diesem Grund stellte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe eine Anfrage an das Auswärtige Amt, zum Wahrheitsgehalt der Vorwürfe und zu den Positionen der Regierung bei den Verhandlungen. In der Antwort vom 31.10.02 gibt Kerstin Müller, Statsministerin im Auswärtigen Amt, nur eine abweichende Stellungnahme ab. Die Aussagen, die Herr Much gemacht haben soll, werden weder bestätigt noch dementiert. Die Positionen, die von deutschen Abgesandten bei den Vereinten Nationen verteten werden, seien auch auf einen übereinstimmenden Bundestagsbeschluss vom 04.07.02 zurückzuführen. Dort war die Mehrheit der Bundeatgsabgeordneten dafür, wie dargelegt bei den Verhandlungen zu verfahren: Erst soll das reproduktive Klonen verboten werden, danach das therapeutische. (Die komplette Anfrage und die Antwort der Regierung dazu kann weiter unten abgerufen werden.) Ein interessanter Aspekt am Rande: Herr Much erteilte Herrn Hüppe auf eine Vorabanfrage keinerlei Auskünfte, sondern verwies auf das Auswärtige Amt. Gegenüber Privatpersonen verhält er sich jedoch anders. Seit 18.10.02 liegen uns zu den erhobenen Vorwürfen gegen den deutschen Vertreter eine persönliche Stellungnahmen von Christian Much vor. Er antwortete per E-Mail auf eine Anfrage eines kritischen Bioethik-Beobachters, die wir hier zur eigenen Meinungsbildung kommentarlos und ungekürzt mit Herrn Muchs Genehmigung veröffentlichen. Darin bestreitet er die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen. Die Herausgeber des Friday-Fax bleiben bei den Vorwürfen. Vertreter der bei der UNO akkreditierten Nichtregierungsorganisationen berichteten laut "euro-fam" (siehe Quellenangabe) ausserdem von offensichtlichen Täuschungsmanövern der zahlreich vertretenen deutschen Diplomaten, die bei muslimischen und südamerikanischen Diplomaten für ihren Vorschlag um die Aufrechterhaltung des "therapeutischen" Klonens werben. Bereits im Frühjahr 2002 hatte die PDS-Bundestagsfraktion auf entsprechende Meldungen hin eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Nun gab es erneute Beweise, wonach deutsche UNO-Vertreter in ihren Taten deutlich von der offiziellen Position der Bundesregierung abweichen. Damit wird die wirkliche Absicht der Bundesregierung in dieser Angelegenheit in Frage gestellt. Der umfassende Klonverbots-Entwurf Der von Spanien, den USA und den Philippinen eingebrachte Entwurf schlägt dagegen ein vollständiges und sofortiges Klonierungsverbot auf nationaler Ebene und ohne Unterscheidung von speziellen Klonierungsformen vor. Dazu heisst es im Punkt 4: "Die Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärt feierlich, dass, bis zur Adoption einer Internationalen Konvention gegen menschliches Klonen, die Mitgliedsstaaten in ihrem Staat oder dem Gebiet, in dem sie die staatliche Kontrolle ausüben, die Grundlagenerforschung, Experimentierung, Vervollkommnung oder Kommerzialisierung jeder Technik, die menschliches Klonen ermöglichen würde, verbietet." Die Mitgliedsstaaten werden in Punkt 5 aufgefordert, "schnellstmöglich Massnahmen zu ergreifen, um jede Form von Gen-Technik zu verbieten, die die Würde des menschlichen Lebens ignoriert." Keine Einigung - Fortsetzung der Verhandlungen September 2003 Nach langen Verhandlungen, bei denen der deutsche Vertreter Christian Much erneut mit seiner Rede am 17.10.02 für Wirbel sorgte wurde die Situation für alle Beteiligten offenbar immer festgefahrener. Niemand wollte von seinen Positionen abweichen. Die Amerikaner zusammen mit 30 anderen Staaten nicht, weil sie beide Formen des Klonens verbieten wollten, die deutsch-französichen Abgesandten nicht, weil Sie der Meinung waren, ein Verbot des therapeutischen Klonens sei bei den anderen Staaten nicht durchsetzbar. Nachdem man sich nicht auf ein weltweites umfassendes, beide Klonierungsformen eingeschlossenes Verbot einigen konnte, wurden am 07.11.02 die Verhandlungen auf Ende September 2003 verschoben. Über die Hintergründe dieses Scheiterns kann man geteilter Meinung sein. Laut Pressemeldungen wollte man angeblich "Grabenkämpfe" vermeiden. Ausserdem wurde, wie Pressebereichten zu entnehmen ist, den Amerikanern unterstellt, sie wollen in Wahrheit gar kein weltweites Klonverbot und treten daher für die angeblich nicht machbaren Maximalforderungen ein. Diese Anschuldigung darf jedoch bezweifelt werden. Eine Einlenkung für den von den USA und auch von Spanien eingebrachten Entwurf wäre sicher logisch gewesen, da er auch der deutschen Rechtslage entspricht. Fest steht in jedem Fall nur eines mit dieser jetzt getroffenen, besser gesagt nicht getroffenen, Entscheidung: Was bis zu den nächsten Verhandlungen reproduktionsmedizinisch in dubiosen Labors alles passieren wird, ist noch ungewiss... Mittlerweile wurde am 20.02.03 im Bundestag mit breiter Mehrheit ein Antrag verabschiedet, der die Regierung dazu auffordert, sich für ein umfassendes Verbot des reproduktiven und des therapeutischen Klonens einzusetzen und hierfür zusammen mit Frankreich und anderen Staaten eine neue Initiative zu starten. Mehr dazu gibt es im 2.Teil des Specials (siehe unten) P.S.: Wir haben bislang noch keine Antwort auf unsere Briefe an Kanzler Schröder und Außenminister Fischer zu den Verhandlungen bekommen. Man darf auf die Antworten gespannt sein. Sollte jemand der/die sich an unserer Briefaktion beteiligt hat, bereits Antworten erhalten haben, sind wir für eine Benachrichtigung dankbar!
Quellen und weitere Informationen Ursprungsquelle zu dieser Aktion unter http://www.euro-fam.org/ Pressespiegel zu den Klonverbots-Verhandlungen Nachfolgend haben wir eine Auswahl diverser Presseartikel zusammengestellt. Die Sichtweisen sind dabei etwas kontrovers
ausgefallen. Interessant ist, dass während der gesamten Verhandlungen die Medien nahezu nicht darüber berichtet haben.
Dies haben tägliche Auswertungen mit der Zeitungssuchmaschine www.paperball.de ergeben. Dort kann man tagesaktuell über 200
Zeitungen gleichzeitig durchsuchen.
Klonen - Kampf um die Menschenwürde
Ist Berlin für das "therapeutische" Klonen?
Alles oder nichts
"Therapeutisches und reproduktives Klonen lassen sich nicht trennen"
Uno-Konvention gegen das Klonen geplatzt
Auf dem Altar der Diplomatie
Bulmahn wegen Klonverbots unter Druck
Vorläufiges Scheitern der UN-Klonkonvention ist zu bedauern
Weltweites Verbot gegen Klonen gescheitert
Das Klonen spaltet die Vereinten Nationen
Bundesregierung verhindert internationales Klonverbot durch falsches Taktieren - UN-Entscheidung vertagt
Klonkonvention: Zerwürfnis zwischen Berlin und Washington
(In-)Offizielle Texte zu den Verhandlungen mit diversen Stellungnahmen http://www.germany-info.org/UN/much_09_24_02.html
http://www.germany-info.org/UN/much_10_17_02.html
Deutscher Delegationsleiter brüskiert USA bei UN
German Delegate Doubts Morality of US Position on Cloning
Exklusiv: Persönliche Stellungnahmen von Christian Much zu den "Friday-Fax" Vorwürfen an einen Kritischen Bioethik-Beobachter
Die Herausgeber des Friday-Fax bleiben bei den Vorwürfen: German diplomat in cloning debate denies C-FAM charges
Nach Durchsicht dieser Stellungnahmen kann sich jeder ein eigenes Urteil über die Wahrheit oder Unwahrheit zu diesem Vorgang bilden.
Die parlamentarische Anfrage und die offizielle Erklärung zum Geschehen
Zum besseren Verständnis der Regierungsantwort, die darauf bezogenen Dokumente und Beschlüsse:
http://www.germany-info.org/UN/cloning_statement.html
Die beiden Entwürfe für das Klonverbot und zugehörige UN-Dokumente
http://www.un.org/law/cod/sixth/57/docs.htm#162
http://www.germany-info.org/UN/cloning.html
http://www.un.org/law/cloning/index.html
Weitere Infos zu den Vorbereitungen für neue Verhandlungen eines UN-Klonverbots : Zum 3.Teil des Specials über die neuen Verhandlungen Oktober 2004 mit Pressespiegel und Dokumenten
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